Bei der 35. Sitzung des Welterbe-Komitees der UNESCO in Paris gab es gestern (23. Juni) einen entscheidenden Fortschritt bei der Sicherung der Serengeti, die durch die Ankündigung der tansanischen Regierung, eine Straße quer durch den Nationalpark bauen zu wollen, auf die Liste der „gefährdeten Welterbegebiete“ gesetzt werden sollte.
Der tansanische Umweltminister Ezekiel Maige stellte gegenüber der UNESCO schriftlich klar, wie Tansania den Bau eines Straßennetzes im Umfeld der Serengeti plane. Danach soll eine Teerstraße von Osten kommend in Loliondo enden, von Westen kommend in Mugumu. Damit werden diese Gemeinden an das Straßennetz um Arusha und den Viktoria-See angebunden. Die Pisten durch den Park bleiben ungeteert, unter der Hoheit der Nationalparkbehörde TANAPA und wie bisher nur für touristische und administrative Zwecke nutzbar. Dass die Straße unter TANAPA-Hoheit bleibt und nicht zu einer Straße für kommerziellen Verkehr wird, ist ein entscheidender Durchbruch. Ebenso die Tatsache, dass auch die Verbindungsstücke von der Parkgrenze bis jeweils nach Loliondo und Mugumu nicht geteert werden sollen.
Darüber hinaus erwäge die Regierung von Tansania den Bau einer Straße von Mugumu nach Arusha, die den Serengeti Nationalpark und die Ngorongoro Conservation Area südlich umfahre.
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die sich von Anfang an für eine Umfahrung der Serengeti im Süden statt einer Durchquerung im Norden stark gemacht hatte, begrüßt diese Entwicklung in der Diskussion um die Straße außerordentlich. Auch wenn die tansanische Erklärung noch deutlicher jeglichen kommerziellen Verkehr durch die Serengeti hätte ausschließen können, so sind die jetzigen Äußerungen als wichtiger Schritt in die richtige Richtung zu werten. Insbesondere die großen Geber sind jetzt gefragt, den Prozess der Landesentwicklung umsichtig mit dem Schutz des Serengeti-Ökosystems zu verbinden. Das deutsche Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ hatte sich hierbei bereits zu Jahresbeginn helfend angeboten und damit sicher auch die jetzige Entwicklung positiv beeinflusst.
Die UNESCO würdigt die Erklärung von Tansania und rief die internationale Geber-Gemeinschaft dazu auf, den Bau einer Südumfahrung zu unterstützen. Tansania forderte sie dazu auf, die Umweltverträglichkeitsprüfung und die sozio-ökonomische Studie zum nördlichen Straßennetz zu vollenden und diese der UNESCO zur Prüfung zuzusenden. Schließlich muss Tansania der UNESCO einen Bericht zu all diesen Punkten bis zum 1. Februar 2012 vorlegen.
Für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt stellt die Auseinandersetzung um den Straßenbau eine der größten Gefährdungen der Serengeti seit der Ära von Bernhard Grzimek und Julius Nyerere dar, die vor mehr als einem halben Jahrhundert den Nationalpark in seiner heutigen Form geschaffen und berühmt gemacht hatten. Nach wie vor ist die Serengeti das Kerngebiet unserer Naturschutzarbeit in Afrika und wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die sich in den letzten Monaten intensiv für den Schutz der Serengeti eingesetzt, insbesondere beim tansanischen Umweltministerium und der Nationalparkverwaltung TANAPA, den Politikern und Wissenschaftlern aus Tansania, Deutschland, den USA und anderen Ländern, den Journalisten, die das Thema sehr umsichtig begleitet haben, der UNESCO und der IUCN, den befreundeten Naturschutzorganisationen und den Freunden und Unterstützern der ZGF.
Vor einem Jahr hatte die tansanische Regierung bekannt gegeben, eine Fernstraße durch den Norden der Serengeti bauen zu wollen. Wissenschaftler konnten darlegen, dass dies zu einer enormen Gefährdung der großen ostafrikanischen Tierwanderungen führen würde, mit weitreichenden Folgen für das gesamte Ökosystem. International und national führte das Straßenbauprojekt zu einer nie da gewesenen Protestwelle. Grundsätzlich war auf allen Seiten Verständnis für einen Ausbau der Infrastruktur in Tansania vorhanden, nur sollte die Serengeti als Weltnaturerbe und einer der bedeutendsten Nationalparks der Welt dabei erhalten bleiben. Es gab in der Folge zahlreiche Vorschläge für alternative Straßenplanungen, Tansanias Regierung hatte lange Zeit jedoch auf der Querung der Serengeti im Norden beharrt.
Das Welterbe-Komitee der UNESCO ist verpflichtet, den Schutz der Welterbestätten und vor allem ihrer herausragenden einzigartigen Werte zu überwachen. Sind schwerwiegende negative Veränderungen erkennbar, wird eine Welterbestätte auf die Liste der gefährdeten Welterbe gesetzt und letztlich kann der Status sogar ganz aberkannt werden. Dies bedeutet einen starken Image-Verlust und kann insbesondere bei touristisch genutzten Gebieten auch zu empfindlichen Einnahmeverlusten führen. Bei der Serengeti standen auch unabhängig vom Welterbe-Status ein herausragendes Gebiet der biologischen Vielfalt, eines der letzten großen intakten Savannen-Wildnisgebiete Afrikas und ein einzigartiges Natur-Kapital Tansanias auf dem Spiel.
Die UNESCO hatte im Vorfeld der Pariser Sitzung deutlich gemacht, dass ein Festhalten an den Straßenbauplänen zu einer Gefährdung des Welterbe-Status führen wird.
Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Dagmar Andres-Brümmer, Head of FZS Communications
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